jetzt hatte ich fast 2 Wochen Zeit mich in Office 2010 "reinzudenken". Was mich am meisten überrascht, ist, wie stark Microsoft auf die Kundenwünsche eingegangen ist. Es könnte sich der Gedanke aufdrängen, dass Office 2007 "nur" ein Prototyp war. Ich kenne Office seit mehr als 15 Jahren als Paket, aber solche gravierenden Veränderungen, die noch dazu genau das nachvollziehen, was in den letzten 3 Jahren von den Kunden gewünscht wurde, habe ich noch bei keiner neuen Version erlebt.
Zeit einen kleinen Geschichtsrücklick zu wagen. In der Geschichte von Office gab es 3 große Sprünge:
- Office 95 auf Office 97
- Office 2000 auf 2002 (in 2003 wurde nachgebessert)
- Office 2003 auf 2007
Ein Sprung der unvorbereitete Trainer verzweifeln ließ, vor allem in Word war nichts mehr so wie es war.
Auch hier gab es dramatische Veränderungen, Es gab eine Aufgabenleiste und Sekretärinnen verzweifelten am Seriendruck, da Kontaklisten nicht mehr als *.doc- sondern als *.mdb-Dateien gespeichert wurden. Eine Katastrophe für Firmen ohne Access. Ganz dramatisch waren auch die plötzlich nicht mehr flexiblen Links im Zentraldokument.
Dieser Sprung ist erst 3 Jahre her und wirkt noch nach. Mir klingt der Schrei nach einer Möglichkeit,die alte Oberfläche wieder herzustellen noch im Ohr. Aber genau dieser Sprung war in Redmond lange überlegt worden, denn auch dort wußte man, dass es ein Wagnis war.
Bei jedem Sprung wurde "gemeckert", ob zu Recht (manchmal sicher) oder zu Unrecht bleibt dahin gestellt. Teilweise wurde wirklich in Redmond "verschlimmbessert" und es war gut, dass alte Befehle, wie z.B. der Seriendruckmanager immer noch von den Anwendern zurück geholt werden konnten.
Als wirklich schlimm wurde von den Usern, vor allem von den sog. Power-Usern die Umstellung auf 2007 empfunden. Alles war neu, alles war anders. Es gab:
- Die Multifunktionsleisten (Ribbons)
- Ein neues Dateiformat
- Den Office-Button
- Das Vertrauensstellungscenter (Trust-Center)
- Design-Vorlagen
- Eine neue Grafik- und Diagrammbearbeitung
Der Aufschrei war groß. Was sollten diese bunten Bildchen, wo waren die Menüs? Warum war das alles so blau? Und überhaupt, der Deutsche ist des Lesens mächtig, der braucht keine Bilder. Es gibt sicher auch heute noch genug Profis die so denken. Aber es gibt immer Leute, die erstmal iiihhh schreien und dann ganz schnell deinstallieren ohne sich mit einer neuen Software auseinander zu setzen. Und eins war und ist sicher, Office 2007 war neu und anders.
Das es neu war, fiel erst einmal gar nicht auf. Wer aktiviert schon die Anzeige der Dateiendungen? Dumme Gesichter gab es, als die Dateien aus Office 2007 vom Empfänger eines solchen Dokumentes nicht mit Office 2003 geöffnet werden konnten, abwärts kompatibel war und ist Office 2007 nur bedingt. Das geht aber auch nicht anders, wenn die Strukturen einer Software komplett erneuert werden. Ein heutiger Mercedes-Motor passt auch nicht mehr in den Loyd von 1954. Es gibt für die Nutzer von Office 2000 bis 2003 das CompatibilityPack. Damit lassen sich auch 2007-Dateien in den alten Versionen öffnen. Nur leider ist das nach drei Jahren immer noch nicht allen Usern bekannt. Liegt das wirklich nur am Hersteller des Produkts?
Auch ich habe gesucht, ich gebe es zu. Wo waren die Einträge aus dem Dateimenü abgeblieben? In den MuFus (sorry Multifunktionsleisten) waren sie nicht zu finden. Diese hübsche bunte Office-Kugel oben links, sah ich erst als hübsche Verzierung, die nicht gerade platzsparend war. Sie leuchtete nach der Installation auch so "hübsch" orange. Wer mich drauf gebracht hat, da mal drauf zu klicken, weiß ich nicht mehr, aber dieser Klick war goldwert. Alles was ich vermisst hatte, befand sich unter dem Office-Button. Es war der Dreh- und Angelpunkt von Office 2007.
Wenn ich den erwische, der Trust-Center mit Vertrauensstellungscenter übersetzt hat, geht es ihm schlecht. Das deutsche Wort ist lang und alles andere als aussagekräftig. Aber das Trustcenter verkörpert das neue Sicherheitsbewußtsein von Micosoft. Hier werden Makros und Dateien mit einigen Klicks zu sicheren Dateien, wenn man Ihnen vertraut. Es gibt vertrauenswürdige Ordner, vertrauenswürdige Hersteller usw usw. Aber so ganz richtig hat Microsoft nie erklärt, was der Sinn der Vertrauensstellungscenters ist. Schade, denn es gibt einen Sinn dahinter und es dient zum Schutz der Anwender.
Diese Design-Vorlagen sind Formatvorlagensätze, in denen alles aufeinander abgestimmt ist. Schriftarten, Farben und Effekte bilden ein geschlossenes Ganzes und können in andere Anwendungen übernommen werden, so dass in allen Anwendungen, für die es sinnvoll ist, die gleichen Schriftarten, Farben und Effekte verwendet werden können. Das geht leider nicht so ganz automatisch und für mich ist daher das Konzept auch noch nicht ganz ausgereift. Aber der Ansatz stimmt, Corporate Identity (CI) wird in Unternehmen heute groß geschrieben.
Das war bei den ersten Webcasts über Office 2007 das Wichtigste. Darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Aber es war verständlich, dass darauf so herumgeritten wurde. Ein Bild sagt schließlich immer noch mehr als 1000 Worte und die Grafikbearbeitung in Office 2007 ist beeindruckend. Aber ganz ehrlich, die meisten die professionelle Grafiken erstellen möchten, haben auch ein professionelles Grafikprogramm dafür. Das sieht etwas anders bei der Diagrammerstellung aus. Auf jeden Fall sind die Möglichkeiten mit der neuen Grafik-Engine in Office 2007 überwältigend, aber sie können einen unbedarften User auch "erschlagen".
Auf den ersten Blick war alles anders, beim 2. Blick lästerten die Profis, dass im "Untergrund" noch 2003 regiert. Office 2007 wirkte unfertig, denn nicht einmal alle Anwendungen hatten die neue Optik.
Ich selber arbeite von Anfang an sehr gern mit Office 2007. Mich als Trainerin hat die intuitive Benutzerführung begeistert, die für Anfänger ganz sicher eine großartige Hilfe ist, mich aber trotzdem nicht arbeitslos macht ;-)) Denn jetzt habe die Profis die Probleme, die ihre Klicks in Office 2003 im Schlaf beherrschten. Was aber wenig bis gar nicht gelungen war, war die Lokalisierung der deutschen Version. Die Übersetzungen waren mangelhaft und unlogisch, Dinge die in der amerikanischen Version problemlos umgesetzt wurden, gingen in der deutschen Version gar nicht. Nach einem halben Jahr Office 2007 wollte ich zwar vieles nicht mehr missen, aber ich wollte kein ServicePack, ich wollte "Office 2007 reloaded", also eine Neuauflage, denn eins war mir klar, ein ServicePack würde die Probleme der deutschen Version nicht lösen können und so war es auch. Ist Office 2010 jetzt Office 2007 reloaded? Ich bin gespannt.
Ich habe mir jetzt zunächst einmal einen groben Überblick verschafft, was sich alles geändert hat. Vieles wird mir sicher auch erst beim Arbeiten mit Office 2010 auffallen. Aber schon jetzt bin ich angenehm überrascht, wie stark die Produkt-Teams auf die Wünsche ("Meckereien") der Kunden eingegangen sind. Aber jetzt im einzelnen.
Was ist geblieben, was ist neu?
Ich fange mal mit dem an, was sich in Office 2010 nicht oder kaum verändert hat:
- Die Multifunktionsleisten (Ribbons)
- Ein neues Dateiformat
- Den Office-Button
- Das Vertrauensstellungscenter (Trust-Center)
- Design-Vorlagen
- Eine neue Grafik- und Diagrammbearbeitung
Ja es gibt sie noch. Da hat sich Microsoft mit Recht auf keinen Kompromiss eingelassen. Es beibt dabei, die Menüleisten sind Vergangenheit. Aber die Multifunktionsleisten sind veränderbar und zwar so stark, dass mir für die Mitarbeiter von Hotline und Support nichts Gutes schwant. Näheres dazu später. In der Technical Preview fehlt auch die blaue Farbe, aber mir ist das zuwenig kontrastreich und ich hoffe, das wird sich noch wieder ändern.
Hier ist gegenüber Office 2007 alles beim Alten geblieben.
Die runde Office-Schaltfläche musste zwar weichen (bedaure ich persönlich sehr) aber auch der Office-Button ist geblieben und sieht nur anderes aus. In der Bibel steht: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Micorosoft hat den Satz für Office 2010 und den Office-Button umgemünzt: An ihren Farben sollt ihr sie erkennen. Der Office-Button hat in jeder Anwendung eine andere Farbe und zwar die Farbe, die die Anwendung schon immer hatte. So war Word immer blau, Excel immer grün usw. Unter dem Office-Button hat sich einiges verändert, dazu später mehr.
Es ist geblieben, aber stark erweitert worden. Wie sich das auswirkt, weiß ich noch nicht.
Auch sie sind geblieben, aber wer auf die glorreiche Idee gekommen ist, den Vorlagen andere Namen als in Office 2007 zu verpassen, weiß ich nicht. Eins aber weiß ich, das dürfte Komplikationen geben.
Hier ist neues hinzugekommen, die alten Funktionen aber noch vorhanden.
Und was ist wirklich neu?
Neu ist eine Menge, in Office 2010 und in den einzelnen Anwendungen. Das 2003-Feeling gehört der Vergangenheit an, jedenfalls dann, wenn auch das neue Betriebssystem Windows 7, für das Office 2010 ja gemacht worden ist, installiert wird. Auch in Windows 7 sind durchgängig die Mutltifunktionsleisten verwirklicht (Wordpad, Paint z.B.)
Neu in Office 2010:
- Customize Ribbon (veränderbare Multifunktionsleisten)
- Multifunktionsleisten in allen Anwendungen
- Office Backstage (Hinter den Kulissen von Office oder was ist unter dem Office-Button?)
- Direkte Übersetzungen in viele Sprachen in Word, Excel, PowerPoint und anderen Anwendungen
- Neue Grafikfunktionen
Der Wunsch der Anwender ist erhört worden, die Multifunktionsleisten sind veränderbar und zwar alle. Aber damit nicht genug, es können auch wieder völlig eigene Leisten erstellt werden. Für Administratoren sehr wichtig: Die veränderten MuFus können exportiert und importiert werden und zwar PC-übergreifend. Und, sehr beruhigend für den Support, sie können auch zurückgesetzt werden. Mehr dazu in einem extra Beitrag, den ich sobald er geschrieben wurde, hier verlinken werde.
Auch die Office-Anwenungen, die bisher ohne MuFus auskommen mussten, haben sie jetzt. Bitte nicht gleich meckern, sie sind ja veränderbar ;-))
Office Backstage, ich hoffe, dieser Begriff wird nicht wieder übereifrig übersetzt. Backstage ist auch in den deutschen Sprachschatz aufgenommen und wird verstanden. Der Bereich unter dem Office-Button hat sich gravierend verändert und scheint auf den ersten Blick sehr durchdacht. Auf den zweiten dann doch nicht so ganz. Aber auch der Backstagebereich ist einen eigenen Artikel wert, den ich dann hier verlinken werde.
Microsoft hat einen eigenen Translator entwickelt, den wir auch hier im Forum verwenden. Dieser ist auch in verschiedenen Anwendungen von Office 2010 eingebaut und es ist nun möglich, z.B. in Word ganze Dokmente zu übersetzen und im Browser gegenüberzustellen. Natürlich ist und bleibt es eine maschinelle Übersetzung, aber hilfreich, kann das schon sein. Auch dazu dann ein eigener Beitrag.
Diese neuen Funktionen habe ich erst gestern entdeckt, aber sie gefallen mir gut. Für PowerPoint sicher ein Gewinn. Davon auch später mehr.
Es gibt noch mehr, so z.B. ein neues Sicherheitskonzept für Office-Dateinanhänge in Outlook, in Excel Slicer und Sparklines, OneNote hat sich zu einem Team-Tool entwickelt und und und...
Nach und nach werden wir hier im Forum über diese vielen Neuerungen berichten, in jeder Anwendung gibt es sie. Ich freu mich auf Office 2010. Vielleicht ist es ja doch Office 2007 reloaded ;-))
Gruß Amethyst
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